Ein 430 Meilen langes Abenteuer

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Mitten in der Nacht wurde ich gestern aus meinem wohlverdienten Schlaf gerissen, weil jemand um das Haus meiner Urlaubsherberge schlich. Natürlich habe ich meinen Job getan und habe ganz laut gebellt, obwohl ich natürlich schon wusste wer das war… Man habe ich mich gefreut, Herrchen und Frauchen wieder zu sehen!!!! Heute habe ich richtigen Muskelkater vom ganzen Popowackeln. 😉

Natürlich habe ich Herrchen erstmal ganz genau beobachtet. Ich war überrascht, dass er sich fast normal bewegt und direkt mit mir getobt hat. Danach wollte ich natürlich erstmal alles vom Lauf wissen…

Herrchen ist selbst noch überwältigt und realisiert erst langsam, dass er tatsächlich die ganze Strecke von Whitehorse nach Dawson bewältigt hat (vor allem die superlange Rückfahrt hat ihm noch einmal deutlich gemacht, was für eine Wahnsinns-Strecke er da zurückgelegt hat). Vor allem war er total begeistert und überrascht über den tollen Support seiner Freunde und Fans nicht nur in Deutschland sondern auch hier im Yukon (Frauchen hat ihm die ganzen Beiträge und Nachrichten gestern Abend noch einmal vorlesen müssen). Er bedankt sich ganz herzlich für die unzähligen Glückwünsche und gedrückten Daumen (wir bitten an dieser Stelle eventuelle Arbeitsausfälle oder Unproduktivitäten während dieser Tage zu entschuldigen, können jedoch keine Haftung dafür übernehmen ;-)!! DANKESCHÖN!!!!!!!!!!

Den Lauf selber hat Herrchen eher als ein Abenteuer als ein Rennen angesehen. Herrchens Ziel war immer sicher und wohlbehalten anzukommen. Platzierung bzw. Zeit haben für ihn vor und während des Rennens überhaupt keine Rolle gespielt. Oberstes Ziel war ankommen und da hatte Herrchen vor dem Rennen etwas Sorgen wegen der rechten Knöchelsehne. Noch bei der Startaufstellung hat Herrchen anscheinend die Sehne schmerzhaft gemerkt, jedoch nach dem Start, war der Schmerz verflogen und diese Stelle hat nicht mehr wehgetan.

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Der Start erfolgte bei perfekten Bedingungen (Sonnenschein und -20 C).

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Aufgestellt in den hinteren Reihen hat Herrchen von Anfang an sein eigenes Tempo gefunden und sich auch nicht von Überholern aus der Ruhe bringen lassen. Das ganze Abenteuer ist Herrchen mit dem Mantra „Ruhe, Gelassenheit und Fokus“ angegangen. Schon nach den ersten 21km hat er Frauchen wieder getroffen, die als freiwillige Helferin am Assistance Point Takhini Bridge heißens Wasser (aber nur für die Kurzstreckenläufer) verteilte und die Athleten anfeuerte.

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So verliefen die ersten 42km zur Rivendell Farm wie im Flug und Herrchen hat die wunderschöne Strecke entlang bzw. auf dem Yukon River im strahlenden Sonnenschein sehr genossen.

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DSC_0091Nach einer kleinen Mahlzeit im Checkpoint ging es direkt weiter zum 53 km entfernten Check Point (CP) Dog Grave Lake. Herrchen hat immer die Strategie verfolgt, solange zu laufen bis er müde wird um sich dann ein geeignetes Plätzchen zum Schlafen zu suchen. Unterwegs – es war schon längst dunkel und viel kälter geworden – hat Herrchen gemerkt, dass sich etwas in seinem rechten Schuh komisch anfühlt. Da das oberste Gebot bei so einem Rennen und unter diesen extremen Bedingungen ist, Probleme sofort anzugehen, hat Herrchen angehalten und seinen Schuh ausgezogen. Dabei hat er festgestellt, dass die Socke bereits an die Einlegesohle im Schuh angefroren war. Anscheinend hat er bei den „warmen“ Temperaturen zum Start geschwitzt was sich bei der kälteren Temperatur später bemerkt gemacht hat. Nach einem Socken- und Schuhwechsel ging es für Herrchen direkt weiter. Nach ein paar weiteren Stunden passierte Herrchen die ersten Teilnehmer, die sich bereits für die Nacht in ihren Zelten oder Bivacksäcken zurückgezogen hatten. Als Herrchen nach einigen weiteren Stunden einen Rastplatz der Musher des Yukon-Quests (viele Schlittenhundeteams machen die erste Rast nach etwa 70-80km) mit Stroh entdeckt hat, hat er diese Gelegenheit genutzt und das Stroh als weitere Bodenisolierung verwendet. (Frauchen lag derweil in einem Hotelzimmer in Whitehorse und checkte stündlich, ob Herrchen sich endlich zum Schlafen gelegt hat. Erst gegen 3 Uhr morgens als sie sah, dass der Punkt 421 auf der Karte zum Stillstand gekommen war, konnte sie in Ruhe schlafen). Aufgrund der Kälte, hat Herrchen auf seinen Bivacksack verzichtet und nur den Schlafsack genutzt. Nach 3h Schlaf ging es auch schon weiter. Angekommen im CP, hat Herrchen dann erfahren, das die Temperatur in der Nacht auf -35 C° gefallen war und einige Läufer bereits Erfrierungen erlitten hatten. So hatte ein Läufer sich Erfrierungen beim Zusammenpacken seines Bivack-Sacks geholt. Wie Herrchen aus Erfahrung wusste, ist die Atmungsfähigkeit von Geweben bei diesen Temperaturen fast nicht mehr vorhanden, und so friert die Feuchtigkeit innerhalb des Gewebes des Bivacksacks. Wenn man diesen dann zusammen packt, bekommt man unweigerlich nasse Hände was bei diesen Temperaturen sehr schnell zu Erfrierungen führt. Aus diesem Grund hatte Herrchen auch bewusst auf ein Zelt verzichtet. Im Laufe des Rennens hatten sich noch einige Läufer Erfrierungen beim Abbau dessen geholt, besonders bei Zelten mit Eisenstangen (auch durch Handschuhe!!)).

Im nächsten CP in Braeburn (dem 100 Meilen Ziel)…

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wartete Frauchen schon mit dem Rest der Crew als Herrchen in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages dort eintraf. Die 56 km lange Strecke durch ausgedehnte Wälder hat er nur mit einem kleinem Wasserschmelz- und Koch-Stopp ohne größere Probleme bewältigt. Aufgrund der relativ hohen Luftfeuchtigkeit und der sehr niedrigen Temperaturen, waren die interessantesten Gesichtsmasken bei den Läufern zu beobachten. (besonders Herrchens Foto beim Eintreffen in Braeburn Lodge hat wohl sehr viele Facebook-Likes erzielt ;-).

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Nach einem sehr unruhigen Schlafversuch in einer der hinter dem Restaurant liegenden Cabins, – beim Liegen haben Herrchen die Sehen im Beckenbereich sehr geschmerzt – wollte Herrchen den Checkpoint sehr früh am Morgen wieder verlassen. Frauchen selbst hatte gerade ihre Schicht beendet und ihn bei der Vorbereitung zum Verlassen des Checkpoints erwischt und ihn direkt wieder ins Bett geschickt (ich weiß aus eigener Erfahrung, dass sie da sehr streng sein kann!!). Nach weiteren drei Stunden und nun einem guten, tiefen Schlaf, verließ Herrchen ausgeruht Braeburn Lodge.

DSC_0139 DSC_0145Ab hier hat Herrchen dann Neuland betreten: Bis dato ist er noch nie weiter als 100 Meilen gelaufen. Herrchen ist ab hier seine Reise mit dem Motto angegangen „mit jedem Schritt schiebe ich meine bisherigen Grenzen vor mir her“. Auf der Strecke zum 71km entfernten Ken Lake sollte Herrchen jedoch noch weitere unbekannte Grenzen überschreiten. Da die Temperaturen weiter gefallen waren und gerade die Strecke zum Ken Lake meist nocheinmal deutlich kälter ist, ist Herrchen durch sogenannte Cold Spots gekommen. Es ist abschnittsweise so kalt geworden, dass Herrchen alles anziehen musste, was er dabei hatte. Als dann noch seine Thermoskannen (die bei -38 C problemlos funktioniert haben) gefroren waren, kam für Herrchen ein Tiefpunkt. Der Versuch seinen Benzinkocher anzuzünden ist bei den ersten Versuchen fehlgeschlagen. Erst wollten die Survival-Zündhölzer nicht angehen. Da Herrchen hier doppelte Sicherheit gefahren ist, hatte er noch andere Magnesium-Zündhölzer dabei, die nach dem Aufwärmen am Körper dann schließlich funktioniert hatten. Dann kam jedoch der wahre Schock: das Benzin wollte sich nicht entzünden lassen. Herrchen konnte sogar das brennende Zündholz ins Benzin halten und nichts ist passiert. Als dritten Versuch hat Herrchen sein Sturmfeuerzeug (was er am Körper getragen hat) etwa eine halbe Minute ans Benzin gehalten und nichts hat sich getan! Als letzten Ausweg (Herrchen brauchte ja Wasser und langsam ist ihm auch kalt geworden) hat Herrchen ein Lagerfeuer entfacht und kurzerhand den Benzinkocher direkt draufgelegt (:o). Nach ein paar Minuten konnte der Kocher dann zünden und Herrchen war endlich in der Lage, Schnee für Trinkwasser zu schmelzen. Zurück auf dem Weg kam in einem erneutem Cold Spot der zweite Schock für Herrchen. Das Verbindungsstück seines Zuggeschirrgestänge aus Metall brach. Nachdem Herrchen das Gestänge provisorisch repariert hatte, ging es endlich weiter zum CP, wo er ersteinmal dankbar eine warme Mahlzeit genossen hatte und ein paar Stunden am Lagerfeuer geschlafen hat.

Auf dem Weg nach Carmacks (etwa 56km) ist ihm auch das zweite Gestänge seiner Pulka gebrochen (die er wochenlang im Training bei allen Temperaturen problemlos hinter sich hergezogen hat). Außerdem hat er einem anderen sehr erschöpften Teilnehmer beim Entfachen eines Feuers geholfen, das diesen warmhalten sollte bis eine Evakuierung stattfinden konnte. Nach diesen Erlebnissen hat Herrchen den Entschluss gefasst, bei Erreichen des nächsten Checkpoints nach einer warmen Mahlzeit und einigen Stunden Schlaf ersteinmal den Wetterbericht zu studieren. Sollte es so kalt bleiben, wollte er nur noch bis zum 300 Meilen Ziel laufen und auf die sehr einsame und schwierige Strecke bis zum 430 Meilen Ziel verzichten. Es ging ihm hierbei weniger um die Anstrengung sondern darum, dass er nicht bereit war, sich dem Risiko von Temperaturen unter -40C freiwillig auszusetzen. Die bisherigen Schwierigkeiten konnte er gut meistern, jedoch war er noch lange nicht erschöpft. Ob er beim nächsten Mal noch so klar denken und handeln konnte, wollte er nicht herausfinden. Zum Glück deutete der Wetterbericht für die nächsten Tage wärmere Temperaturen an.

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So genoß er die Wärme, das Essen und Frauchens Fürsorge im Checkpoint, liess den medizinischen Check über sich ergehen und scherzte mit der Crew der Volunteers, bevor er sich in der Turnhalle zum Schlafen legte.

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Beim Start am Morgen lagen die Temperaturen jedoch noch bei -38C. Gestärkt und ausgeruht konnte er aber den nächsten Abschnitt ohne weitere Zwischenfälle gut meistern. Angekommen in McCabe (340km) hat Herrchen sich jedoch beim Blick auf die CP-Tafel gewundert und bemerkt, dass er sich gerade mit der #1 des 300 Meilen-Rennen und der #2,3 und 4 des 430 Meilen Rennens im CP befindet. Als er das realisiert hat, hat er den Beschluss gefasst noch mehr auf seine Geschwindigkeit zu achten und die Pausen zu verlängern bzw. auf der Strecke häufiger kleinere Pausen zum Kochen einzubauen – er wollte die Gefahr minimieren, dass er sich zu schnell im Rennen verausgabt. Es war ja noch nicht mal die Hälfe geschafft. Bisher ist er zwar auch nur sein Wohlfühl-Tempo gelaufen, aber irgendwie hat es ihm etwas Sorgen gemacht, dass er sich noch so wohl und stark fühlt.

Die Teilstrecke von McCabe nach Pelly Crossing war landschaftlich sehr abwechslungsreich, Wald- und Seepassagen wechselten sich ab. Besonders beeindruckend war jedoch die Strecke durch ein Gebiet, das durch einen Waldbrand gezeichnet war. Die verkohlten Äste vor dem weissen Schnee und dem hin und wieder dazwischen aufkeimenden neuen Leben in Form kleiner Tannenbäuchen wirkte äußerst bizarr, wunderschön und traurig zugleich. Am Checkpoint Pelly Crossing musste Herrchen feststellen, dass Frauchen bereits weiter zur Pelly Farm gezogen war – dem absoluten Highlight der Strecke. Er hat sich sehr für sie gefreut, weil sie bereits seit Tagen einem Aufenthalt auf der Farm entgegenfieberte und noch mehr, als er den kleinen Aufmunterungs- und Coaching-Brief in Empfang nahm, den Frauchen in Pelly Crossing hinterlegt hatte.

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Nach einer ausgiebigen Ruhepause machte sich Herrchen dann auch auf den Weg zur Farm. Von Pelly Crossing aus, es ist praktisch nur noch die Auffahrt zur Farm hoch 😉 , so schlappe 53 km. Herrchen bewältigte die Strecke problemlos am nächsten Tag, auch wenn er aufgrund des frisch gefallenen Schnees den Trail aufbrechen musste, was natürlich anstrengender ist.

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Gestärkt mit einer Riesenportion Lasagne und nach einer 8h Pflichtpause ist Herrchen in den sehr frühen Morgenstunden des nächsten Tages wieder aufgebrochen.

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Der sich ankündigende Tag versprach wunderschön zu werden und während Herrchen von dannen zog, genoß Frauchen ihren Aufenthalt auf Pelly Farm.

DSC_0417 DSC_0435 DSC_0416 DSC_0524 DSC_0506 DSC_0463Aufgrund des starken Schneefalls während seines Aufenthalts auf Pelly Farm musste Herrchen erneut den Trail aufbrechen, was ihn deutlich verlangsamt und auch an den Kräften gezehrt hat. Herrchen meinte, dass dieses Stück auch mental das deutlich anstrengendste war. Die 105km bis zum nächsten Checkpoint Scroggie Creek gingen zum größten Teil bergauf. Auch hier passierte man wieder Waldbrandgebiet. Die Brände haben die Bäume so heiß verbrannt, dass Löcher in den Stämmen entstanden sind. Aufgrund des Klimas hat die Vegetation sich auch nach Jahrzehnten noch nicht erholt. Dies bot auf der einen Seite ein Bild der Verwüstung aber auf der anderen Seite ein Bild eines Neuanfangs. Gepaart mit der extremen körperlichen Belastung und voranschreitender Müdigkeit, könnte Herrchen kaum seine Augen offen halten. Bei dem Versuch zu schlafen war Herrchen jedoch so wach oder zu müde, dass er nicht schlafen konnte. Da es noch weiterhin unter -20 war, entschied sich Herrchen letztendlich weiterzulaufen. Angekommen im CP brauchte Herrchen erstmal ein paar Minuten um sich zu sammeln. Unterwegs hat er zum ersten und einzigen Mal seine Pulka als Mühlstein betrachtet und sich gefragt, was er getan hat um dies zu „verdienen“. Nach der obligatorischem Finger- und Zehen-Check auf Erfrierungen durch das Medical-Team, hat Herrchen sich sofort hingelegt. Nach der Pause waren die Anstrengungen und Fragen der letzten Etappe vergessen. Zurück auf der Strecke zum nun „nur noch“ 160km entfernten Ziel ist Herrchen auf ein sehr ernstzunehmendes Hindernis gestoßen. Einen sogenannten Overflow – hier handelt es sich um eine gefrorene Eisfläche unter dessen sich eine Wasserschicht gefolgt von einen weiteren Eisschicht befindet. Diese war jedoch besonders bedrohlich, da Herrchen schon das Wasser rauschen hören konnte. Also hat Herrchen entschieden sicher zugehen und hat seine höchsten Schuhe mit zusätzlich wasserdichten Socken angezogen und seine Hosen bis zu den Knien hochgekrempelt. Leider, sollte sich seine Besorgnis bewahrheiten: die obere Eisschicht war so dünn, dass er bis zur Mitte des Schienbeins ins Wasser eingebrochen ist und wasserwartend etwa 10m bis zum anderem Ufer hinter sich gebracht hat (gut das die Pulka schwimmt). Natürlich sind die Schuhe von oben mit Wasser vollgelaufen, die kniehohen Socken konnten jedoch vor der Kälte etwas schützen. Auf der anderen Seite angekommen, hat Herrchen sich sofort wieder umgezogen. Jedoch hatte er bei dieser Aktion seine Ersatzschuhe „verloren“, diese waren sofort steinhart gefroren. Auf der anderen Bergseite angekommen und nach unzähligen weiteren kleinen Overflows wurde Herrchen von einem weiterem massiven Overflow aufgehalten. Da Herrchen nur noch die Schuhe tragen konnte, die er bereits an hatte, hat er sicherheitshalber wieder die wasserdichten Socken angezogen. Leider sollte er auch diesmal Recht behalten, und ist bis zum Knöchel mit beiden Füßen eingebrochen. Da die Füße vor der Nässe durch die Socken geschützt waren und die Temperaturen nicht all zu kalt, hat sich Herrchen entschlossen bis zum letzten Assistant Point Indian River am Fuße des Bergs weiterzulaufen und dort versuchen seine Schuhe so gut wie es geht zu trocknen. Da es sich nur um einen sehr kleinen Assistant Point für wahre Notfälle gehandelt hat, konnte Herrchen seine Schuhe leider nicht richtig trocknen und ist nach kurzer Zeit mit noch feuchten Schuhen wieder losgelaufen. Sicherheitshalber hatte er seine wasserdichten Socken direkt anbehalten. Im Assistant Point hatten ihn die Helfer gefragt, ob auch er Wölfe gesehen hatte. Bis auf viele Spuren, hatte er jedoch (leider) keinen gesehen. Etwa 1h weiter auf der Strecke, hat Herrchen so lautes und langes Wolfsgeheul gehört, dass er den italienischen Läufer verstehen konnte, der nach einer (friedlichen) Wolfsbegegnung das Rennen vorzeitig beendet hat. Der letzte Etappenabschnitt hat auch den King Salomon Dome umfasst. Herrchen war noch immer körperlich sehr stark und von sich selbst überrascht, schon auf der Kuppel angekommen zu sein. Hier hat Herrchen ersteinmal die Aussicht und den einsetzenden Sonnenuntergang genutzt um nochmal Schnee zu schmelzen, Abendessen zu kochen und seine nassen Schuhe etwas zu trocknen.

DSC_0644Gestärkt für die letzten 36km ging es fast nur noch bergab auf einer alten Minenstrasse die an verschiedenen Schürfgebieten vorbeigeführt hat. Mit jedem km weiter runter, hat Herrchen jedoch gemerkt, dass auch die Temperatur sinkt. An sich nichts Schlimmes, wenn nicht die nassen Schuhe gewesen wären.

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Kurz vor dem Ziel hat Herrchen dann gemerkt, dass seine Schuhe komplett gefroren und steinhart waren. Da es jedoch nur noch ein paar km Ziel waren, was jedoch auch ein paar Stunden hieß, hat Herrchen sich doch entschlossen weiterzulaufen und beim ersten Zeichen von kalten Füßen sofort ein Feuer an zu machen. Etwa 5km vor dem Ziel hat Frauchen bereits auf Herrchen gewartet und nach ersten Freudentränen auf die letzten Meter geschickt. Angekommen im Ziel hat Herrchen ein Cocktail von Gefühlen erfahren. Auf der einen Seite war er stolz auf seine Leistung und froh endlich angekommen zu sein und auf der anderen Seite etwas traurig, dass sein Abenteuer schon zu Ende ist.

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DSC_0754Nach einem heißen Kaffee und etwas zu essen haben jedoch die positiven Gefühle schnell die Oberhand gewonnen. Einige Stunden und zweimaliges Duschen später gab es noch einen kurzen Stadtspaziergang und weitere Kalorien für Herrchen, bevor sich die beiden auf den Weg zu mir machten.

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Auf der Rückfahrt von Dawson nach Whitehorse hat Herrchen angefangen zu realisieren, was für eine gewaltige Strecke er in einer riesen Tiefkühltruhe zurückgelegt hat. Selbst nach der Erzählung kann Herrchen seine letzten 10 Tage und 20 Stunden noch nicht ganz begreifen…

4 Gedanken zu „Ein 430 Meilen langes Abenteuer“

  1. Was für ein toller, ausführlicher Bericht, vielen Dank!
    Da könntet ihr sicher ein ganzes Buch über das Rennen schreiben 🙂
    Krasse Geschichten mit dem schwer zu entfachenden Feuer und den Overflows…
    Und schön dass ihr wieder in der Zivilisation seid – zumindest relativ betrachtet 😉
    Bin gespannt wann es bei Euch weiter Richtung Süden geht…

  2. Hallo Güntheer, es ist gut wieder von Dir zu hören 😉
    Vielen Dank für die tolle u. spannende Abenteuerreportage – Jack London hätte es nicht besser machen können 📔 Ich hoffe nach Eurer Rückkehr ja darauf, dass Ihr Eure Erlebnisse tatsächlich literarisch verarbeitet!
    Beste Grüße aus dem regnerischen Norden von Deutschland, Guido.

  3. Hallo Güntheer, ich wette, Du hast in Deiner Wiedersehensfreude Deine Leute fast umgeworfen😀
    Danke für den langen, hochinformativen und sehr spannenden Renn-Bericht. Ich hoffe Boris schreibt noch viel, viel mehr auf, bevor es im Langzeitgedächtnis wegschlummert!
    Irgendwann möchte ich z.B. gerne erfahren, was er da breit gelb über die Nase geklebt hatte. Oder ob er noch täglich weiter Kilometer laufen muss, um seinen Körper langsam „runter zu trainieren“…
    Herzlichen Gruß an Euch drei, Jutta

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